Kirche gemeinsam verändern

Appell an Bischofskonferenz: Lokalen Notruf nicht überhören

Veröffentlicht von Gabriel Stabentheiner am 12.11.2019
Gabriel Stabentheiner und Gerda Schaffelhofer
Gabriel Stabentheiner und Gerda Schaffelhofer

Appell des Forum MÜNDIGE CHRISTEN an Bischofskonferenz: Lokalen Notruf nicht überhören!

Stirbt Amazonien, dann stirbt die Welt. Globaler Notruf wichtiger als verheiratete Priester. Zu dieser Einsicht bekannte sich die österreichische Bischofskonferenz in ihrer diesjährigen Herbstvollversammlung. Zur Frage einer Zulassung der viel diskutierten „viri probati“ ergänzte Kardinal Schönborn: „Wir warten, wie der Papst reagiert, und sehen dann weiter.“ Das Forum MÜNDIGE CHRISTEN appelliert an die Bischofskonferenz, den lokalen Notruf nicht zu überhören und die Gemeinden nicht durch ständiges Warten lassen zu zermürben.

Das Forum Mündige Christen begrüßt den Einsatz der Kirche für die Region Amazonien und die dort lebende Bevölkerung. „Wir danken all jenen, die nicht müde geworden sind, die ökologische Ausbeutung dieser Region und den menschenverachtenden Umgang mit der indigenen Bevölkerung immer wieder und so lange zu thematisieren, bis die Welt endlich aufgewacht ist und diesen Wahnsinn begriffen hat. Jetzt können wir nicht mehr so tun, als ginge uns das Ganze nichts an,“ betont der Sprecher des Forums, Gabriel Stabentheiner, und ergänzt, „Der Schutz des gemeinsamen Hauses, von dem Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si gesprochen hat, ist durch die Amazoniensynode für uns sehr konkret geworden. Hoffentlich vergessen und übersehen wird jetzt aber aus unserer Begeisterung für Amazonien nicht die vielen anderen Winkel unseres gemeinsamen Hauses, die vielleicht nicht so groß sind wie Amazonien, die aber ebenso Gottes Schöpfung und damit uns anvertraut sind.“

Es ist unbestritten, dass die Kirche ihren Beitrag zum Überleben von Mensch und Umwelt leisten muss, betont das Forum. Dennoch weist es darauf hin, dass die Kirche keine Umweltschutzorganisation ist und es daher auch nicht ihr Ziel sein kann, die bessere Green Peace-Bewegung zu werden. Die Aussage „Globaler Notruf wichtiger als ‚viri probati‘“ ist daher für Gerda Schaffelhofer, Mitinitiatorin des Forums, kritisch zu hinterfragen. „Wir haben eine Verantwortung für die Schöpfung und haben diese viel zu lange zu wenig wahrgenommen. Es ist daher überfällig, so Schaffelhofer, dieses Defizit zu bereinigen. Aber wir haben auch eine Verantwortung für die Verkündigung der Frohen Botschaft, die über das Diesseits hinausweist. Auch diese Verantwortung gilt es wahrzunehmen. Und dazu bedarf es geeigneter Personen. Der Mensch ist in diese Welt hineingeboren, zugleich aber berufen für das Reich Gottes. Beide Dimensionen des Menschseins gilt es zu fördern und zu pflegen. Immer wenn Kirche eine dieser beiden Dimensionen vernachlässigt hat, hat sie sich schuldig gemacht. Schaffelhofer plädiert daher dafür, die Frage der „viri probati“ genauso ernst zu nehmen wie den globalen Notruf aus Amazonien.

„Wir brauchen Menschen, die uns lehren, wie wir mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen verantwortungsbewusst und nachhaltig umgehen. Wir brauchen aber auch Menschen, die uns das Wort Gottes verkünden, die Eucharistie mit uns feiern und dafür sorgen, dass auch unsere Kinder noch die Welt als Gottes Schöpfung begreifen.“

Diese zweite Gruppe leide aber zunehmend an Personalnotstand, den man weder durch Abwarten noch durch Zugeständnisse wie mindere Ansprüche beheben könne. „Die von vielen geforderten „viri probati“ könnten ein erster Schritt in die richtige Richtung sein, weitere werden jedoch folgen müssen.

Vor allem den Frauen müsste endlich ein ihren Charismen entsprechender Wirkungsbereich zuerkannt werden.“ Papst Franziskus hat gebeten, ihm mutige Vorschläge zu machen. Schaffelhofer bezweifelt, dass die Haltung der österr. Bischöfe „Wir warten, wie der Papst reagiert, und dann sehen wir weiter!“ den Erwartungen des Papstes entspricht und für diesen hilfreich ist. „Papst Franziskus hat sich von dem jahrhundertelang praktizierten unheilsamen kirchlichen Zentralismus verabschiedet und die Ortskirchen zum Mitdenken und Mitgestalten eingeladen.

Warum ergreifen wir diese Chance nicht?“, fragt Schaffelhofer. Die deutsche Bischofskonferenz habe sich in Zusammenarbeit mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken auf den Synodalen Weg gemacht, in der Schweiz sei Ähnliches geplant, in Österreich hingegen Abwarten angesagt. „Abwarten, das kommt mir bekannt vor,“ meint Gabriel Stabentheiner, „auch in der Causa Schwarz ist Abwarten und Aussitzen das gängige Modell. Ich fürchte, man strapaziert so lange unsere Geduld, bis die Menschen sich von der Kirche nichts mehr erwarten und abwenden. Dann freilich braucht man auch keine „viri probati“ mehr, denn der lokale Notruf wurde nicht gehört.“

Das Forum appelliert daher an die österreichische Bischofskonferenz, ein offenes Ohr nicht nur für den globalen, sondern auch für den lokalen Notruf zu haben. Auch in den Gebeten für die Diözese, die nach wie vor jeden Mittwoch um 18.00 Uhr im Dom zu Klagenfurt stattfinden, wird darum gebetet.