Kirche gemeinsam verändern

Mittwochsgebet 07.08.2019 - Ansprache Hanzi Filipič

Veröffentlicht von Gabriel Stabentheiner am 13.09.2019
Hanzi Filipič
Hanzi Filipič

Mein Vater war von Beruf Maurer und bereits über 70 Jahre alt, als er mir und meiner jungen Familie half, ein Zuhause zu bauen. Zeitig in der Früh war er auf der Baustelle und hatte nicht nur einen längeren Atem als ich, damals junger Hupfer, sondern auch als andere Maurer, die weit jünger waren als er. Seine Arme waren kräftig, seine Hände mächtig und zugleich ebenso sanftmütig. Er konnte seine Enkelkinder als Babys stundenlang in seinen Armen halten, wenn sie schliefen, und ich kann mich auch selbst noch gut daran erinnern, wie geborgen wir uns in seinen Armen fühlten. Zeitlebens ärgerte er sich, dass er als Kind und Jugendlicher keine ordentliche Bildung genießen konnte, da die Volksschulen in der Ära Schuschnigg hauptsächlich darauf aus waren, den slowenischsprachigen Kindern so schnell wie möglich Deutsch beizubringen, ihnen Verachtung gegenüber der slowenischen Sprache anzuerziehen und ihre Köpfe mit Ideologie vollzumüllen – ein großer Teil der Lehrer zu der Zeit waren bereits illegale Nazis. Doch mein Vater war vor allem auch ein weiser Mann. Er trat vehement für eine gute Ausbildung für uns Kinder ein und unterstützte uns gemeinsam mit meiner Mutter so gut er konnte.  Als wir in unserem Rohbau einmal gerade eine Zwischenwand mauerten, sagte er mir ganz unvermittelt, er war sonst bei der Arbeit eher schweigsam: „Viǝš, Hanzi, mire tǝ že vǝhǝq postavǝm, dušo boš pa hiši ti mohu datǝ (Weißt du, Hanzi, die Wände kann ich dir mauern, doch die Seele wirst deinem Zuhause du geben müssen!).

Diese sehr persönliche Geschichte ist für mich Sinnbild, wenn es darum geht, Antworten auf die Frage, was Kirche für mich bedeutet, welchen Weg sie heute gehen sollte, zu finden. Gott hat uns sein Wort gegeben, doch es liegt letztlich an uns, an jeder / jedem von uns, jetzt – und nicht gestern oder morgen – diesem Wort ein Antlitz, eine Seele zu geben. Kirche (das sind auch wir) kann heute nicht mehr den Zeigefinger heben, wenn es um Lebensfragen geht und in erster Linie mit Ge- und Verboten argumentieren, sondern Kirche wird sich in Zukunft stärker darauf besinnen müssen, dass sie Dienerin, Wegbegleiterin der Menschen ist – „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Mt 20,28).

In der Vergangenheit war Kirche oft in der Rolle der „Anleiterin“ und Herrscherin (als solche de facto bestehend aus Würdenträgern) zu finden und als solche oft katastrophal weit weg vom Evangelium, heute sehe ich die einzige mögliche Rolle der Kirche (hoffentlich bestehend aus Verkünderinnen und Verkündern der Frohen Botschaft) als „Wegbegleiterin“ des Menschen, die stets das Wort Gottes im Blickfeld behält und die Nähe des Menschen und vor allem die Nähe zu Gott sucht.

Als Vater weiß ich, dass das Loslassen der Kinder ein wichtiger und langer Prozess ist. Er endet damit, dass wir sie zur rechten Zeit in die Eigenverantwortung entlassen. Der schwierigste Teil jedoch ist, danach in der Beziehung mit ihnen nicht mehr als deren Erziehungsberechtigte zu handeln und auch dann, wenn es schwer fällt, Tür und Herz für sie offen zu halten. Insbesondere jedoch auch dem Heiligen Geist das nötige Vertrauen zu schenken.

Die Kirche heute ist in einer ähnlichen Situation. Ihre weltliche Macht schwindet rasant, die Konkurrenz am freien Markt der Religionen wächst, die Zahl der praktizierenden Christen fällt ins Bodenlose. Auch die Kirche wird Vieles loslassen müssen. Doch wichtig wird sein, dass wir als Gemeinschaft der Getauften Tür und Herz offen halten und das Vorbild Jesu leben, wie es im Johannesevangelium 15, Vers 9 steht: „Bleibt in meiner Liebe“. Denn dann brauchen wir uns nicht zu fürchten und können auf den Heiligen Geist vertrauen.

Hanzi Filipič

 

Poznate mati Terezijo in Frančiška Asiškega? In poznate ime kakega papeža recimo iz srednjega veka, ki se je v svojem času tepel za oblast? Torej vendarle velja Jezusova beseda, da „kdor hoče postati med vami velik, naj bo vaš strežnik, in kdor hoče biti med vami prvi, naj bo vaš služabnik.“ (Mt 20,26-27) Zlasti v sodobnem času imamo težave z besedo služiti, ker se nam zdi, da je v nasprotju z uspehom, s samouresničitvijo, s potrditvijo, zdi se nam, da je služiti enako pustiti se izkoriščati. A Jezus služenje ne razume v sodobnem negativnem pomenu besede. Za Jezusa je služenje predvsem to, da se trudimo približati človeku Božjo zamisel ljubezni. In sicer predvsem z našim zgledom, saj Jezus daje svojim učencem (torej tudi nam) zapoved: »To je moja zapoved, da se ljubite med seboj, kakor sem vas jaz ljubil.“ (Jn 15,12)

To je perspektiva Cerkve danes, a zagotovo tudi vseh posameznikov, ki se imenujemo kristjani: Jezusov zgled ljubezni. Jezus ni molčal, kadar je videl krivico, in je s trdimi besedami prijel farizeje, vendar se od njih ni pustil niti za milimeter premotiti v svoji ljubezni do človeka in ljubezni do Boga.

Hanzi Filipič