Kirche gemeinsam verändern

Brief an Bischof Freistetter - Antwort auf "Sonntag" Interview

Veröffentlicht von Gabriel Stabentheiner am 13.09.2019
Freistetter
Bischof Werner Freistetter

Sehr geehrter Herr Bischof Freistetter,

Sie haben als Apostolischer Administrator für die Diözese Gurk-Klagenfurt eine schwierige und undankbare Aufgabe übernommen. Sie haben sogar, um dieser nachzukommen,  Urlaub in der Militärdiözese genommen und unzählige Gespräche mit den Menschen vor Ort geführt. Das alles ist keine Selbstverständlichkeit. Mit Ihrer freundlichen und zuvorkommenden Art, Ihrer Bereitschaft zuzuhören haben Sie durchaus auch bei den Menschen in unserer Region  gepunktet und zu einer Art Wohlfühlsommer in unserer Diözese beigetragen.

Im Interview in der Kärntner Kirchenzeitung  ziehen Sie  nun quasi Bilanz über Ihre Wochen in Kärnten und stellen unserer Diözese dabei kein schlechtes Zeugnis aus. Es sei ein sehr positives Bild, das Sie von der Kirche in Kärnten hätten, vielen Menschen wären die Kirche und der Glaube ein großes Anliegen. Wenn Sie behaupten: „Ich habe hier eine Liebe der Menschen zu ihrer Kirche festgestellt, wie ich es kaum wo gesehen habe“, könnte man meinen, hier schwärmt ein Bischof von seiner eigenen Diözese. 

In diesem harmonischen Kontext befremdet dann aber umso mehr die Tatsache, wie Sie sich zur Causa Schwarz und damit zum zentralen Problem unserer Diözese äußern. Aussagen wie, dass wir alle fehlbare Menschen seien und ein Schuldbekenntnis sprechen müssten , dass Urteile nicht zu schnell gefällt werden dürfen und die Dinge oft nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen, muten an wie eine Beschwichtigung, Relativierung und Verharmlosung all dessen, was unsere Diözese in der Ära Schwarz durchlitten hat.

Der Hinweis, dass Ihre Gesprächspartner oft unterschiedlicher Meinung  über Bischof Schwarz und seine Amtsführung waren, ist auch keine wirkliche Überraschung  und ruft einfach nach einer qualifizierten Bewertung des Gehörten. Schließlich geht es nicht um Befindlichkeiten und Meinungen einzelner, sondern um die Frage nach der Wahrheit. Muss ich Sie wirklich daran erinnern, dass es seit Jahren Vorwürfe gegen Bischof Schwarz gegeben hat, die Gegenstand von zwei Prüfberichten gewesen sind und darin bestätigt wurden? Es ist auffallend, dass Sie diese Prüfberichte mit keinem Wort erwähnen und sich damit über manifeste Tatsachen hinwegschwindeln. Sie leugnen, dass es eine Causa Schwarz überhaupt gibt, und orten in Kärnten nur Schwierigkeiten, „die der gesamten Kirche heute Probleme bereiten.“

Dieser Befund, Herr Bischof, fordert unseren entschiedenen Widerspruch heraus. Es kann nicht sein, dass Sie die ganz spezifische Situation unserer Diözese nicht wahrgenommen haben. Andererseits will ich auch nicht annehmen, dass der Amtsmissbrauch von Bischof Schwarz, der so vielen Menschen Schaden zugefügt hat, etwas ist, das in der Kirche so oft vorkommt, dass es schon ein gesamtkirchliches Problem darstellt.

Ihr Hinweis, dass jede Krise immer auch eine Chance ist, stimmt, geschieht aber nicht automatisch, sondern nur dann, wenn beachtet wird, dass mit dem griechischen Wort „Krisis“ ein mit einer Entscheidungssituation verknüpfter Wendepunkt gemeint ist. Ich fürchte aber nach dem Lesen Ihres Interviews, dass von der Amtskirche in Österreich bisher weder der Ernst dieser Entscheidungssituation erkannt worden ist noch ein Wendepunkt angestrebt wird.

Sehr geehrter Herr Bischof, Sie haben als Administrator viel guten Willen gezeigt, das ist Ihnen hoch anzurechnen, aber Sie schwindeln sich am Problem vorbei. Sie zeichnen das Bild unsere Diözese von ihrer schönsten Seite, aber Sie sehen nicht die tiefe Verwundung, die sie entstellt. So werden wir den Heilungsprozess nicht vorantreiben.  Da hilft uns unser Stolz auf unsere Tradition und Geschichte, den Sie uns zugestehen,  gar nichts. Wir müssen nach vorne schauen und nicht zurück.

Gerda Schaffelhofer 

 

Das Interview von Bischof Werner Freistetter in der Kärntner Kirchenzeitung "Sonntag"