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SN 11.09.2019: Papst macht Fall Schwarz zur Chefsache

Veröffentlicht von Gabriel Stabentheiner am 11.09.2019
Pope Francis
Papst Franziskus

Franziskus zur Diözese Kärnten: "Ich verstehe das Problem"

Fast 15 Monate nach der Versetzung von Bischof Alois Schwarz nach St. Pölten kommt Bewegung in den Fall. Papst Franziskus schrieb einer Laieninitiative, wie er sich der Sache nun annimmt.

von Gerald Stoiber

Nach außen hin ist es ziemlich ruhig geworden um die Frage, wer in der Diözese Gurk-Klagenfurt neuer Bischof wird. Der langjährige Kärntner Oberhirte Alois Schwarz (67) wurde ja im Juli 2018 nach St. Pölten versetzt. Der ungewöhnliche Schritt war wegen massiver Vorwürfe der Misswirtschaft vor allem im bischöflichen Mensalgut und wegen seiner privaten Lebensführung und des zu großen Einflusses seiner engsten Mitarbeiterin auf die Diözese erfolgt. 

Über die Nachfolge von Schwarz in Klagenfurt ist außer vagen Gerüchten nichts Handfestes bekannt. Der Vatikan hatte zum Jahrestag der Versetzung jedoch eingegriffen und den vom Domkapitel als interimistischen Verwalter der Diözese gewählten Engelbert Guggenberger (66) abgesetzt. Eine Begründung dafür war, dass der Generalvikar nach mehr als einem Jahr im Amt sonst kirchenrechtlich automatisch größere Befugnisse erhalten hätte. Verwalter im Auftrag des Papstes (Apostolischer Administrator) ist nun der österreichische Militärbischof Werner Freistetter (65). Guggenbergers Absetzung löste großen Unmut in der Diözese Gurk-Klagenfurt aus. Anfang Juli versammelten sich 600 Gläubige zu einer Kundgebung, seither kommen wöchentlich am Mittwoch im Klagenfurter Dom 100 bis 150 Menschen zu einem Gebet für die Diözese.

Das Forum Mündige Christen fordert, dass Guggenberger neuer Bischof in Kärnten wird. Die Initiatoren waren Gabriel Stabentheiner, Betriebsratsobmann der Diözese, und Gerda Schaffelhofer, bis 2018 Präsidentin der Katholischen Aktion, einer wichtigen Laienorganisation der Kirche in Österreich. Sie lebt seit ihrer Pensionierung in Kärnten. Stabentheiner radelte von Klagenfurt bis Rom, um die von fast 5600 Menschen unterzeichnete Petition im Vatikan zu überreichen. Und Schaffelhofer schrieb dem Papst einen Brief, "denn das hatten wir noch nicht versucht", wie sie den SN am Dienstag sagte. Und siehe da, es trat ein, was kaum jemand glaubte: Franziskus persönlich antwortete, und das auch noch binnen einer Woche. Das kann durchaus als Sensation bezeichnet werden. Der Brief ist mit 7. August datiert - just, als Stabentheiner die Unterschriften nach Rom brachte.

Die SN können aus dem Brief des Papstes nach Kärnten zitieren: "Ich habe Ihren Brief aufmerksam gelesen und verstehe die Bedeutung des Problems", ließ Papst Franziskus die engagierte Katholikin Schaffelhofer wissen. Um sich beim argentinischen Papst in Erinnerung zu rufen, hatte sie ihm das Buch "Gebete für Papst Franziskus" nochmals mitgeschickt, das sie 2014 herausgegeben hatte und dem Papst damals auch im Rahmen einer Audienz in Rom überreichen konnte. Konkret kündigte der Papst an, er werde nach dem Urlaub des Präfekten der Bischofskongregation "mit ihm sprechen, um die Situation zu beurteilen und nach der Lösung zu suchen". Damit erklärt Franziskus den Fall Schwarz zur Chefsache.

Schaffelhofer und Stabentheiner sagen, das Schreiben gebe ihnen Hoffnung, denn sie hätten erreicht, dass der Papst nun vollständig über die Sache um Bischof Schwarz informiert sei. Die Bischofskongregation, die für das rund 6000 Oberhirten umfassende Führungspersonal der katholischen Kirche zuständig ist, leitet seit 2010 der aus Kanada stammende Kardinal Marc Ouellet (75). Das Schreiben von Franziskus ist recht persönlich gehalten und auf Deutsch formuliert. Die Sätze sind so kurz, dass sie auf ein direktes Diktat des Pontifex schließen lassen, und sie heben sich von diplomatischen Floskeln ab. Schaffelhofer glaubt nach Rücksprache mit einem Vatikan-Kenner, es sei eine Übersetzung aus Spanisch oder Italienisch - die Sprachen, die Papst Franziskus am meisten verwendet.

Unterzeichnet ist das Schreiben handschriftlich mit "Franziskus". Wegen der Vorwürfe gegen Schwarz hatte der Salzburger Erzbischof Franz Lackner als kirchenintern Zuständiger im Auftrag des Papstes die Situation in der Kärntner Diözese untersucht. Sowohl Lackner als auch Kardinal Christoph Schönborn sagten nach Erstellung des geheimen Visitationsberichts im März 2019, sie könnten sich nicht vorstellen, dass es keine Konsequenzen gebe. Auch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Bischof Schwarz und seine ehemalige Mitarbeiterin. Es geht dabei um den Verdacht der Untreue und des Betrugs bzw. der Steuerhinterziehung bei Immobiliengeschäften. Nach Auskunft der Justiz gab es in dem berichtspflichtigen Fall in den vergangenen zwei Monaten keine Änderungen, über entsprechende Vorhaben der Staatsanwälte haben also die Oberinstanzen offenbar noch nicht entschieden.

 

Bericht in ORF-RELIGION zum SN Artikel

 

Salzburger Nachrichten - 11.09.2019 - Titelseite 5
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