Kirche gemeinsam verändern

Mittwochsgebet 24.07.2019 - Ansprache Maximilian Fritz

Veröffentlicht von Gabriel Stabentheiner am 10.09.2019
Maximilian Fritz
Maximilian Fritz

Ansprache zur Lesung 1 Tim 3,1-5

Kirche wandelte sich und wandelt sich – langsam zwar, oftmals quälend langsam vielleicht, aber sie wandelt sich. Was im Frühchristentum normal war, die Idee eines „vir probatus“, eines würdigen Mannes und Familienvaters als Leiter der Gemeinde, wurde im Lauf der Kirchengeschichte undenkbar, wurde ein Tabu. Ebenso wie die Idee, dass die Gemeinden sich selbst ihren Vorsteher aussuchen. Dabei war auch dieses zu Beginn des Christentums durchaus Brauch. Vielleicht ist Geschichte aber zyklisch- und vielleicht kommen Erfahrungen und Praktiken der Kirchengeschichte wieder.

Derzeit versucht die Petition Pro Guggenberger, die Idee der Bischofswahl durch die Ortskirche mithilfe digitaler Foren ins 21. Jahrhundert zu übersetzen. Und es mehren sich Stimmen, die wieder von der Möglichkeit von viri probati und gar von donnae probatae sprechen, zuletzt – anlässlich seines 80ten Geburtstags, Altbischof Erwin Kräutler. Dieser Hirte stand einer Diözese vor, die viermal so groß wie ganz Österreich ist. Er hat Kirche in seinem Leben ganz anders erlebt und mitgestaltet als wir kleinräumig, oftmals auch kleingläubigen, Alpenländler. Einige von Kräutlers Gemeinden im Amazonasgebiet funktionierten nur deshalb, weil Frauen und Männer vor Ort gemeinsam Verantwortung für sie übernommen haben- wenn sie auf einen Priester fokussiert hätten, wären die Gemeinden wohl verdorrt- zu groß waren die Entfernungen, nur selten konnte und kann mit einem Priester Eucharistie gefeiert werden. Und trotzdem überlebten die Gemeinden, waren sie fruchtbar, sind sie es noch immer.

Papst Franciscus erzählte zu Beginn seines Pontifikates von der Kirchengeschichte in Japan. Im 16. Jahrhundert kam das Christentum mit jesuitischen Missionaren auf die Inseln- dann wurden alle Europäer, auch die Missionare der Inseln verwiesen, Japan schottete sich für 200 Jahre ab. Doch als im 19. Jahrhundert wieder Europäer und amerikanische Händler nach Japan kommen konnten, fanden sie funktionierende christliche Gemeinden vor. Kirche wurde in Japan 200 Jahre lang vor Ort durch Frauen und Männer vor Ort gestaltet und gelebt. Etwas, was Papst Franciscus immer wieder betont: Kirche ist nie die Sache einzelner, sondern die Sache Aller.

Einzelne Vertreter/innen von Kirche können natürlich das Bild von Kirche prägen – und sie tun das auch, ob freiwillig und bewusst oder nicht. Heilige sind die positiven Beispiele dieser Behauptung, Skandalfiguren der Kirchengeschichte und Kirchengegenwart das negative. Doch sind die Einzelnen nie alleine Kirche- die Kirche sind wir und wir sind mehr als die Summe der Einzelteile. Als pilgerndes Volk Gottes sind wir unterwegs, sagt das zweite vatikanische Konzil, berufen zur Heiligkeit - wir alle. Und nur durch uns kann dieser Gang auf dem Weg durch die Zeit beschritten werden. Wie schlimm wäre es, wenn wir uns als Christ/innen auf Gedeih und Verderb auf die Rechtschaffenheit und Heiligkeit einzelner Proponent/innen von Kirche verlassen müssten, die Heilszusage Gottes von dieser abhängig wäre. Gott sei Dank ist es nicht so. Und dennoch darf der Blick aufs Ganze nicht als „Persilschein“ für die Sünden einzelner missbraucht werden. Die Gemeinden, die Kirche soll und muss ganz genau schauen, wer an prominenter Stelle als Vorsteher, als Hirte, Kirche vor Ort ein Gesicht gibt.

Das weiß und denkt sich auch Papst Franziskus. Wie aber wünscht sich nun Papst Franziskus einen Bischof? Er hat das klar bei der Morgenmesse des 12. Novembers 2018 in Santa Marta formuliert. „Paulus bezeichnet den Bischof als Verwalter Gottes: er ist kein Verwalter von Gütern, von Macht, von Seilschaften, nein: er ist der Verwalter des Hauses Gottes. Er muss sich immer fragen: Bin ich ein Verwalter Gottes oder bin ich ein Geschäftsmann? Der Bischof ist der Verwalter Gottes. Er muss untadelig sein. Das hat Gott schon von Abraham verlangt: Gehe in meiner Gegenwart und sei untadelig. ..

Das ist etwas, das man zu einem Anführer, einem Vorsteher sagt. (…)„Das ist die Beschreibung eines Bischofs. Und wenn man vor der Wahl eines Bischofs steht, wäre es schön, sich diese Fragen gleich als erste zu stellen, damit man weiß, ob es überhaupt Sinn macht, mit dem Auswahlprozess fortzufahren. Der Bischof muss demütig und sanftmütig sein: ein Diener, kein Fürst. Das ist das Wort Gottes“. Solch einen Bischof wünscht sich Papst Franziskus- wir wünschen uns solch einen auch. Und hätten auch schon den passenden Kandidaten. Amen