Kirche gemeinsam verändern

Ich träume

Ich träume von einer Kirche,

in der die Intrige nicht das letzte Wort hat,

Schönfärberei nicht mit der Verkündigung des Evangeliums verwechselt wird

und Transparenz mehr als ein Schlagwort ist.

 

Ich träume von einer Kirche,

in der Klerikern wie Laien die Unterscheidung zwischen Gut und Böse ein echtes Anliegen ist,

in der man sich nicht mit Halbwahrheiten begnügt oder gar der Lüge bedient,

weil man  fürchtet, die Wahrheit würde dem Ansehen der Kirche schaden.

 

Ich träume von einer Kirche,

in der immer mehr die diplomatische Unverbindlichkeit verschwindet

und an ihre Stelle Wahrheit, Offenheit und Direktheit treten,

weil nur diese wirklich frei machen und den Blick weiten.

 

Ich träume von einer Kirche,

in der alle Scheinheiligkeit ein für alle Mal verschwindet

und die, die anderen eine Falle stellen und Ränke schmieden, entlarvt werden,

damit die Gerechten ihren Weg fortsetzen können zum Heil aller.

 

Ich träume von einer Kirche,

in der das Fehlen des eigenen Standpunktes nicht als Tugend verkauft wird

und sich die eigene Mutlosigkeit nicht wie ein Bazillus über Konferenzen und Gremien ausbreitet,

weil ohne klare Positionen und den Willen zur Veränderung ein Fortschritt nicht möglich ist.

 

Ich träume von einer Kirche,

in der nicht jene das Ohr der Bischöfe haben,

die über die größte Beredsamkeit verfügen,

sondern jene, die neben starken Worten auch zur Tat schreiten,

denn Worte allein genügen nicht mehr.

 

Ich träume von einer Kirche,

in der nicht jede Reformidee auf den St. Nimmerleinstag verschoben wird

und Nostalgie nicht mit der Treue zum Evangelium verwechselt wird,

weil Tradition nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers ist.

 

 

Ich träume von einer Kirche,

in der Gespräch und Mediation nicht missbraucht werden,

um unterschiedliche Standpunkte zu nivellieren,

weil ein Ja ein Ja und ein Nein ein Nein bleiben müssen,

wenn sie aus der Überzeugung des Herzens kommen.

 

Ich träume von einer Kirche,

in der Laien und Bischöfe einander auf Augenhöhe begegnen

und Frauen einfach ganz selbstverständlich dazu gehören,

weil diese Kirche das Haus aller ist.

 

Sie fragen, warum ich immer noch von einer Kirche träume?

Weil es diese Träume braucht, um mit der Realität fertig zu werden.  

Gerda Schaffelhofer