Kirche gemeinsam verändern

Mittwochsgebet 31.07.2019. Ansprache Gerda Schaffelhofer

Veröffentlicht von Gerda Schaffelhofer am 09.09.2019
Gerda Schaffelhofer
Gerda Schaffelhofer

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

ich liebe diese Bibelstelle von der Tempelreinigung (Joh 2, 13-16), weil sie zeigt, dass einem, wenn man auch noch so demütig und sanftmütig von Herzen ist, wie Jesus sonst im Neuen Testament dargestellt wird, der Geduldsfaden reißen kann.

Die Szene im Tempel zu Jerusalem wird von allen vier Evangelisten aufgegriffen. Das legt nahe, dass sie nicht nur bildhaft gemeint ist, sondern historisch auch wirklich stattgefunden hat. Ob das Geschehen wirklich so gewaltig war, wie es im Johannesevangelium geschildert wird, oder ob es eher ein Geschehen am Rande, in einem Seitentrakt des Tempels war, wo die Tempelpolizei nicht gleich zuschlagen konnte, darüber mögen sich die Exegeten den Kopf zerbrechen, für uns ist das belanglos.

Was uns die Begebenheit im Tempel zu Jerusalem zeigt ist, dass Heiliges und Unheiliges oft sehr nahe nebeneinander wohnen, so nahe, dass man sie vielleicht beim ersten Blick gar nicht unterscheiden kann. Unsere ganze Kirchengeschichte ist ein lebendiger Beweis dafür, und die für heute ausgewählte Bibelstelle zeigt, dass dies im Judentum nicht anders gewesen ist.

Jesus findet sich mit diesem engen Nebeneinander von Heiligem und Unheiligem nicht ab,er tritt ganz massiv, man kann sagen, sogar handgreiflich dagegen auf und er sieht sich dabei nicht als Einzelakteur, sondern fordert alle Umstehenden auf, sich aus ihrer Beobachterrolle zu lösen und selbst aktiv zu werden,indem er ihnen zuruft: Schafft das hier weg! Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle.

Schafft das hier weg, lasst das Haus meines Vaters nicht verkommen – das ist ein Dauerauftrag an uns alle, der im jeweiligen Kontext neu zu interpretieren ist. Heute geht es nicht um den Dom zu Klagenfurt. Der ist nicht zu einer Markthalle verkommen, und wir werden nicht Hand an ihn legen. Heute geht es um die Situation unserer Diözese, in der vieles geschehen ist, das dem Antlitz der Kirche, ihrer Glaubwürdigkeit sehr geschadet hat. Es gibt viele, die durch die Vorkommnisse in der Ära Schwarz Schaden erlitten haben, durch unzumutbare Arbeitsbedingungen, durch den Verlust des Arbeitsplatzes,durch die wirtschaftliche Verschwendung des Erbes der Heiligen Hemma, das den Gläubigen Kärntens und nicht dem Bischof und seiner Lebefrau zugedacht ist. Der schlimmste Schaden in unserer diözesanen Markthalle aber war, dass viele Menschen an dieser Kirche irre geworden sind und sich abgewandt haben.

All das zeigt, dass wir dringend eine Tempelreinigung benötigen, in der das Unheilige eliminiert, hinausgeschafft, abtransportiert  wird. Dieser Abtransport aber beginnt mit der Einsicht, dass es Unheiliges gegeben hat.Solange es diese Einsicht, dieses Bekenntnis durch die Verursacher nicht gibt, kann der Abtransport nicht stattfinden.Wie und wohin er stattfindet, spricht übersetzt, welche Konsequenzen es für Bischof Schwarz geben soll, das ist nicht die zentrale Frage. Was wesentlich ist und was bisher aussteht, ist die Einsicht, das Bekenntnis. Dieses Schuldbekenntnis ist Bischof Schwarz allen Geschädigten, allen die Schaden erlitten haben, auch in ihrem Glauben, bisher schuldig geblieben und er blockiert damit den Abtransport, den Reinigungs- und Heilungsprozess in unserer Diözese. Das und nicht ein billiger Revanchegedanke oder gar Racheakt ist der Grund, warum Dompropst Guggenberger mit dem Domkapitel im vergangenen Jahr immer wieder gegen die Vertuschung und Verschleierung der Causa Schwarz aufgetreten ist.Und das ist auch die Motivation für das  Forum MÜNDIGE CHRISTEN, darüber nachzudenken, wie wir die Tempelreinigung in unserer Diözese ein bisschen vorantreiben können.

Klar ist, davonrennen oder die Augen verschließen bringt nichts, Jesus ist weder aus dem Tempel gerannt, noch hat er mit einem charmanten Lächeln über das Treiben der Schuldigen hinweggesehen. Er hat eine Geisel aus Stricken eingesetzt. Was sind unsere Maßnahmen?

Wir laufen auch nicht davon, im Gegenteil, wir treffen uns zum Mittwochsgebet. Und wir haben uns zu einer Petition entschlossen, in der wir uns einen Bischof wie Engelbert Guggenberger wünschen, der zur Symbolgestalt für den aufrechten Gang in unserer Kirche geworden ist.

Im Normalfall würde man diese Unterschriften dem Nuntius in Wien übergeben und vielleicht noch dem Kardinal zur Kenntnis bringen. So hatten wir es auch ursprünglich vor. Aber inzwischen glauben wir, dass die Unterschriften, für die so viele von Ihnen gelaufen sind, kostbar sind und ein besseres Schicksal verdient haben, als in einer Nuntiaturlade zu verschimmeln. Gabriel Stabentheiner hat daher einen anderen Plan entwickelt, und wer seine Entschlossenheit kennt, weiß, dass er nicht mehr davon abzubringen war. Er wird mit dem Rad die Petition nach Rom bringen. Und er startet heute vom Dom aus, jetzt gleich nach dem Mittwochsgebet! Gerda Schaffelhofer