Kirche gemeinsam verändern

Gebet am 5. November 2021 - Impuls und Gestaltung Gerda Schaffelhofer

Veröffentlicht von Gabriel Stabentheiner am 05.11.2021
Gebete für das Gelingen der Weltsynode
Gebete für das Gelingen der Weltsynode

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen, liebe Schwestern und Brüder,

ich darf Sie zum heutigen zweiten Gebet für die Weltsynode sehr herzlich begrüßen.

Es steht unter dem Motto „Ohne Leidenschaft wird’s nicht gehen“

Nun hat sie also begonnen, die Weltsynode.

Millionen von Christen sind aufgerufen, sich in einen Synodalen Prozess einzubringen,

bei dem es nicht darum gehen soll, Dokumente zu produzieren.

So Papst Franziskus!

 

Das klingt gut, denn Dokumente,

die später niemand liest oder versteht, haben wir zur Genüge.

 Nein, es geht darum,

 'Träume aufkeimen zu lassen,

Prophetien und Visionen zu wecken,

Hoffnungen erblühen zu lassen,

Vertrauen zu wecken,

Wunden zu verbinden,

Beziehungen zu knüpfen,

eine Morgenröte der Hoffnung aufleben zu lassen,

voneinander zu lernen

und eine positive Vorstellungswelt zu schaffen,

die den Verstand erleuchtet,

das Herz erwärmt,

neue Kraft zum Anpacken gibt'.

So steht es im Vorbereitungspapier zur Weltsynode.

 

Als Leitlinien für diesen Synodalen Weg sind uns mitgegeben worden

 

- ein Zuhören "ohne Vorurteile",

- das Wort zu ergreifen "mit Mut und Freiheit des Herzens",

- und der Dialog mit der Kirche, der Gesellschaft und anderen christlichen Konfessionen.

 

Der Auftrag scheint auf dem ersten Blick wenig konkret,

dafür aber sehr komplex zu sein.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum nicht nur  in unserer Diözese der Start etwas holprig ausgefallen ist.

 

Viele verweigern sich grundsätzlich, und selbst die, die in der Kirche aktiv sind,

werkeln eher lustlos vor sich hin. Euphorie ist noch keine aufgekommen,

man gewinnt eher  den Eindruck, dass vielfach ein Pflichtprogramm absolviert wird.

 

Dabei müssten wir für dieses Anliegen des Papstes brennen,

dass die Flammen nur so um sich greifen,

denn es geht um die Zukunft der Kirche,

es geht um eine Erneuerung, die überfällig ist,

um die Kirche von all dem Brimborium zu reinigen,

das sich in den Jahrhunderten angesammelt hat

und das den Kern der Offenbarung, das Eigentliche und Wesentliche zu ersticken droht.

 

Herr Jesus Christus,

 

noch stottert der Motor der Weltsynode gewaltig,

und es ist nicht abzusehen, ob er jemals laufen wird wie geschmiert.

Wir wollen uns aber davon nicht entmutigen lassen.

Mit den Worten - Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden -

forderst du unser Vertrauen ein.

 

In diesem Vertrauen bitten wir dich um die Gnade des Zuhörenkönnens,

um die nötige Aufmerksamkeit und die Offenheit unserer Herzen,

wir bitten dich um einen wachen Verstand,

um die nötige Konzentration,

um Ausdauer und Vorurteilslosigkeit,

damit unser Zuhören gelingen kann.

 

Herr, schenke uns deinen Geist!

 

In diesem Vertrauen

bitten wir dich aber auch um den Mut,

das Wort zu ergreifen, wenn es uns dazu drängt,

im kleinen Kreis, in größerer Runde, in der Öffentlichkeit.

Lass uns nicht ängstlich verstummen,

wenn wahre oder vermeintliche Autoritäten uns dazu drängen,

Lass uns  laut schreien, wenn wir den Eindruck haben,

dass sich unsere Worte ungehört in den Weiten der Kirche verlieren.

 

Herr, schenke uns deinen Geist!

 

In diesem Vertrauen

bitten wir dich um den Geist der Unterscheidung.

Denn Zuhören allein genügt nicht.

Lass uns Spreu von Weizen trennen,

Unkraut ausreißen und neuen Samen säen.

Lass uns die Dämonen,  die in der Kirche ihr Unwesen treiben,

erkennen und benennen,

und gibt, dass sich auch Rom im Zuhören und in der Unterscheidung der Geister übt.

 

Herr, schenke uns deinen Geist!

 

Musik (Gandalf)

 

Gott spricht: Ich bin da

 

In die Orientierungslosigkeit unserer Herzen,

in unsere Skepsis und Angst vor Enttäuschung,

in unsere Resignation und Lethargie

 

spricht Gott: Ich bin da!

 

In die Verworrenheit kirchlicher Strukturen,

in das Dickicht klerikaler Netzwerke,

in die Intransparenz römischer Entscheidungsprozesse

 

spricht Gott: Ich bin da!

 

In den Frust kirchlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen,

in die Enttäuschungen diskriminierter Frauen,

in die Zurückhaltung von Laien

 

spricht Gott: Ich bin da!

 

In den stillen Gebeten,

Im lauten Aufschrei,

im gemeinsamen Lobpreis,

 

spricht Gott: Ich bin da!

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Gott ist da,

Gott geht mit.

Schon im Alten Testament hat er sich seinem Volk Israel in Treue verbunden,

 

Lesung: Jes 43, 1 ff

 

Fürchte dich nicht, ich bin bei dir,

ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir!

Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir,

wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort.

Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt,

keine Flamme wird dich verbrennen.

Denn ich, der HERR, bin dein Gott,

ich, der Heilige Israels, bin dein Retter.

 

Diese uralte Verheißung Gottes gilt auch uns heute.

Sie gilt auch in dieser Sackgasse, in der die Kirche steckt.

Darauf dürfen wir vertrauen.

Denn Gott ist treu, immer und ewig, auch heute.

 

Die Treuezusage Gottes erfordert aber auch von uns eine Antwort.

Und wie im AT ist diese Antwort ein Aufbruch ins Ungewisse.

Denn wohin die Weltsynode uns führen wird, wissen wir nicht.

 

Wir werden schon ein bisschen umherirren müssen

und vielleicht auch die Bekanntschaft mit Urgewalten in der Kirche machen.

Entscheidend ist, dass wir bereit sind, aufzubrechen

und unsere ganze Energie einzubringen.

Denn ohne Leidenschaft wird’s nicht gehen

 

Ich lade Sie jetzt ein zur Fürbitte für unterschiedliche Zielgruppen in der Kirche.

Wir werden diese Zielgruppen nennen, und es bleibt Ihnen überlassen, im Stillen für diese Menschen zu beten, entweder allgemein oder für konkrete Personen, die sich kennen.

Wir nehmen uns bewusst für dieses persönliche Beten Zeit.

 

Herr Jesus Christus,

 

Wir bitten dich für die vielen Menschen, die sich von der Kirche enttäuscht abgewandt haben, weil sie für sie kein Ort der Gottesbegegnung ist.

 

 

Wir bitten dich für die Menschen, die durch ihr Verhalten der Kirche schweren Schaden zugefügt haben, indem sie andere geistig oder sexuell für ihre Zwecke missbraucht haben.

 

 

Wir bitten dich für alle, die sich jeder Erneuerung widersetzen und an einer Kirche festhalten wollen, die Macht und Autorität verkörpert anstatt Gottes Liebe und Nähe zu den Menschen zu tragen.

 

 

Wir bitten dich für jene Frauen und Männer, die ihre Berufung in der Kirche leben wollen, daran aber durch das geltende Kirchenrecht gehindert werden.

 

 

Wir bitten dich für Laien und Kleriker, die sich trotz aller Widerstände nicht entmutigen lassen und in Wort und Tat deinem Verkündigungsauftrag auch in unserer Zeit nachkommen.

 

Wir bitten dich für den Papst und die Bischöfe,  v.a. jene, die sich mit einem Rückgang ihrer Macht und Privilegien schwertun.

 

Wir bitten dich für unsere Kinder und alle künftigen Generationen, die eine Kirche vorfinden werden, die wir ihnen hinterlassen haben.

 

Herr Jesus Christus, wir haben dir einige unserer Bitten vorgetragen.

Erweise dich als Gott mit uns auch in diesem schwierigen Erneuerungsprozess

der Kirche, der nur mit deiner Hilfe gelingen kann. Durch Christus, unserem Herrn.

 

Abschließend bitten wir gemeinsam um deinen Segen:

 

Bitte um Segen  

Herr, du hast uns gerufen,

Verantwortung zu übernehmen für unsere Kirche.

Sie ist an einem toten Punkt angekommen.

Wir schämen uns für vieles,

das in dieser Kirche Platz hatte und immer noch hat.

 

Daher bitten wir dich:

Sende uns deinen Geist,

und befähige uns, in Verbundenheit mit dir

diese Kirche neu auf- und auszurichten.

 

Schenke uns Mut und Beharrlichkeit

und lass uns nicht über Steine am Weg stolpern.

Gib, dass sich, was in uns aufgebrochen ist,

nicht wieder im Trubel des Alltags verliert

oder in der Lauheit der Resignation untergeht.

 

Lass uns alle Kräfte einsetzen,

um Verkrustetes aufzubrechen,

und bisher Unvorstellbares anzusprechen.

 

Lass uns gemeinsam an einer Kirche bauen,

die von deinem Licht erhellt ist bis in den letzten Winkel hinein,

eine Kirche, in der alle in Freude und Freiheit tanzen.

 

Dazu segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen  

 

Schlusslied (Herbert Grönemeyer - Titel MUT)

Mut von Herbert Grönemeyer auf YouTube