Kirche gemeinsam verändern

Das Geschwätz der Frauen

Veröffentlicht von Gabriel Stabentheiner am 22.03.2021
Kreuz
Der Tod hat nicht das letzte Wort!

Wieder einmal typisch, könnte man meinen. Während die Männer sich aus Angst vor den Juden verkrochen haben, sind die Frauen unterwegs zum Grab, um das zu tun, was noch zu tun war, den Leichnam zu salben und Jesus damit die allerletzte Ehre zu erweisen. Am Grab machen sie aber eine Erfahrung, die alles Menschliche und verstandesmäßig zu Erfassende übersteigt. Sie werden damit konfrontiert, dass der, der vor ihrer aller Augen am Kreuz brutal hingerichtet worden war und gestorben ist,  nicht mehr tot, sondern auferstanden ist. Das übersteigt alles, was ein Mensch mit seinem Verstand erfassen kann. Das hatte es noch nie gegeben, das kann man mit seinem menschlichen Hirn nicht begreifen. Das kann man nur glauben. Denn der Glaube beginnt dort, wo der Verstand nicht mehr ausreicht. Und genau das tun die Frauen. Sie glauben! Und damit lassen sie sich auf eine Botschaft ein, die Himmel und Erde verändern wird.

Eine solche Erfahrung kann man natürlich nicht für sich behalten, die muss weiter gegeben werden. Sie eilen daher zu denen, die ihrer Meinung nach besonders dafür empfänglich sein müssten, den Aposteln. Doch deren Reaktion ist enttäuschend. Sie schenken ihnen keinen Glauben, sondern halten alles nur für dummes Weibergeschwätz. 

Der Kreuzestod hat aus der Sicht der Jünger das Scheitern Jesu als Messias besiegelt. In ihrer Verzweiflung haben sie all ihre Hoffnungen begraben und geistig den Rückzug angetreten. Für sie ist mit dem Tod Jesu alles aus und vorbei. Dem Zeugnis der Frauen schenken sie keinen Glauben.

Die Situation ist  für uns gut nachvollziehbar. Die Botschaft von der Auferstehung ist auch nach 2000 Jahren immer noch eine Herausforderung an den Glauben der Menschen. Treffen wir Christen nicht auch heute noch auf Skepsis, Unverständnis, Ablehnung,  wenn wir zu unserem Glauben an die Auferstehung stehen? Werden wir nicht auch milde belächelt, wird unsere Verkündigung nicht auch als frommes Geschwätz abgetan wie die Worte der Frauen nach ihrer Erfahrung am Grab Jesu?

Die Menschen der Neuzeit, die so sehr auf Verstand, Vernunft, auf die Wahrheit der Wissenschaften setzen, tun sich besonders schwer mit dem Glauben an eine Auferstehung,  die innerweltlich nicht zu fassen ist, die sich nicht in Raum und Zeit abspielt, die irdische Rahmenbedingungen sprengt und unseren menschlichen Erfahrungshorizont übersteigt. Sie missverstehen auch gerne die Botschaft von der Auferstehung als eine Art Wiederbelebung und Rückkehr in das irdische Leben, das wir kennen. Nur darum geht es nicht.

Die Auferstehung ist keine Rückkehr in diese Welt, sondern ein Hinübergehen in ein anderes Leben. Sie ist die Brücke zwischen Diesseits und Jenseits, sie ist die endgültige Überwindung des Todes und das Eintreten in eine neue Seinsweise, die unsere menschliche Vorstellungswelt völlig übersteigt.

Der Glaube an die Auferstehung ist der zentrale Inhalt, der Kern unseres Glaubens. Denn die Auferstehung Jesu zeigt uns, dass Gott seinen Sohn nicht im Stich gelassen, sondern eingegriffen hat, freilich ganz anders als erwartet. Jesus ist nicht vom Kreuz herabgestiegen, wie das seine Anhänger so gerne gesehen hätten, sondern Gott erweist sich als ein Gott des Lebens, dessen Macht größer als die Macht des Todes ist und der das Leben und das Heil aller Menschen will. Denn die Auferstehung Jesu ist kein Einzelgeschehen. Wir werden mit ihm auferstehen! So ist die Auferstehung Jesu auch für uns Anlass zur Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort haben wird, sondern sich Gott auch in unserem Tod machtvoll als Gott des Lebens erweisen wird.

In dieser Auferstehungs-Hoffnung zu leben, gibt unserem irdischen Dasein eine ganz andere Qualität. Wenn mit dem Tod nicht alles aus ist, dann fühlt sich unser irdisches Leben ganz anders an, dann fühlt sich auch das Abschiednehmen von einem geliebten Menschen anders an, denn es wird nach einer überschaubaren Zeit der Trennung eine auf Ewigkeit angelegte gemeinsame Zukunft des Heils geben.

Es ist daher fundamental und unerlässlich, die Botschaft von der Auferstehung Jesu und unser aller Auferstehung zu verkünden! Wir müssen uns als Christen dazu bekennen, denn dieser Kern unseres Glaubens ist unendlich wertvoll für unser irdisches Leben, er gibt uns Sinn und Ziel.  Als Getaufte sind wir alle – nicht nur die Priester – dazu berufen, diese Botschaft zu verkünden und zwar nicht nur zu Ostern, sondern immer, auch dann, wenn wir als Schwätzer belächelt werden. Lassen wir uns nicht entmutigen! Auch die Botschaft der Frauen vom Grab Jesu fiel letztlich doch noch auf fruchtbaren Boden. Denn Petrus war schließlich doch zum Grab geeilt, und der Glaube an die Auferstehung, am Anfang als bloßes Geschwätz abgetan, wurde zum zentralen Glaubensinhalt der ersten Christen, die für ihr Zeugnis als Märtyrer sogar in den Tod gegangen sind.

Gerda Schaffelhofer