Kirche gemeinsam verändern

Statement von Gabriel Stabentheiner beim Gebet für die Diözese am 29.01.2020

Veröffentlicht von Gabriel Stabentheiner am 30.01.2020
29.01.2020 - Gabriel
Gebet für die Diözese 29.01.2020

Statement von Gabriel Stabentheiner beim Gebet für die Diözese am 29.01.2020

Dies war wahrhaft eine intensive Zeit, diese letzten 27 Wochen. Beginnend mit der großen Solidaritätskundgebung für Engelbert Guggenberger und dem Domkapitel. Und dann Woche für Woche diese Mittwochsgebete. Es gab manche, die jeden Mittwoch hier waren und miterlebt haben, wie engagiert für Veränderungen in der Kirche die Lanze gebrochen wurde. Man konnte miterleben, wie dieses Ringen, Hoffen und Flehen um eine gute Zukunft unserer Diözese und unserer gemeinsamen Kirche immer eingebettet wurde ins Gebet und in der Hinwendung zu Gott.

Ich weiß eigentlich nicht, wie ich heute die richtigen Worte finden soll. Wie ich einen richtigen und guten roten Faden für ein Resümee bei diesem letzten wöchentlichen Gebet für die Diözese auslegen könnte. Staatstragende Reden und salbungsvolle Worte wird man in den nächsten Tagen wahrscheinlich zur Genüge hören. Ich wäre durchaus in der Lage sprachlich ein Bild davon zu zeichnen, wie wichtig all das war, was über das Forum Mündige Christen gelaufen ist. Das wir dazu beigetragen haben einen Grundstein für eine offenere und transparentere Kirche zu legen. Oder dann doch noch einen Kärntner Bischof zu bekommen. Und das wir wenn notwendig auch weiterhin ein Stachel im Fleisch der Kirchenobrigkeit sein werden. Aber das wäre mir zu pathetisch.

Die Gefahr der Selbstüberschätzung und Selbsterhöhung ist einfach zu hoch. Vielleicht ist es ja aufgefallen, dass ich bei meinen letzten Ansprachen es nicht mehr geschafft habe mich auf die Stufe hier vorne zu stellen. Ich bin hier unten gestanden. Ich habe heute nachgemessen – es sind nur 20 Zentimeter – aber einfach 20 Zentimeter zu viel.

Welches Resümee ist nun aber wirklich angebracht? Welche Lehren sind aus all dem, was rund um das Forum Mündige Christen geschehen ist, zu ziehen? Was bleibt?

Für mich bleibt, dass man gegen das vorherrschende Ohnmachtsgefühl und scheinbaren Hilflosigkeit gegenüber der kirchlichen Hierarchie etwas tun kann.

Das jeder einzelne viel tun kann.

Das man dieser allgemeinen Sprachlosigkeit entfliehen kann.

Das es möglich ist, die Dinge beim Namen zu nennen.

Das es möglich ist, die eigene Angst und die Selbstzweifel zu überwinden.

 

Ich habe für mich erfahren und gelernt, dass wenn man mit sich alleine bleiben würde, dass man dann in der eigenen Verzweiflung, Aussichtslosigkeit oder Hoffnungslosigkeit versinken würde.

Das man nur durch und in der Gemeinschaft weiterkommt.

Das es nur eine Art Plattform braucht, damit sich Gleichgesinnte und Weggefährten zusammen finden.

Ich habe gemerkt, dass es da draußen im Land sehr sehr viele Menschen gibt, die das alles ideal mittragen und inhaltlich unterstützen. Da ist eine große Spanne und viel Luft zwischen den 356.000 Katholiken und den rund 28.000 Kirchgängern.

Mir ist bewusst geworden, dass nur eines einzigen hohen Klerikers bedürfte, um das System auf- und durchbrechen zu können. Das es dann sehr schnell gehen kann und eine Welle des Aufbruchs durch das Kirchenvolk gehen könnte.

Engelbert Guggenberger und das Domkapitel haben das veranschaulicht. Es war richtig sein „Zero tolleranza per l’abuso di potere“ mit der Petition pro-guggenberger zu unterstützen und ihn und das Domkapitel damit zu schützen. Die Geschichte wird mit Sicherheit einmal davon sprechen, dass ein Dompropst mit dem Namen Engelbert Guggenberger und das gesamte Domkapitel die Diözese Gurk nachhaltig verändert haben.

Jedem der meint, dass es diese Kirche niemals schaffen wird im 21. Jahrhundert anzukommen halte ich diese Erfahrung entgegen und stelle die Gegenfrage: „Und wo bist du?“

Ich treffe oft auf Menschen, die sich bei mir bedanken. Diesen Dank muss ich aber zurückgeben. An alle Unterstützer und alle Unterstützerinnen der Petition. Ich muss diesen Dank zurückgeben besonders an sie, die sie immer wieder hierher in den Dom gekommen sind. Ich habe es am Anfang ja gar nicht für möglich gehalten, das so etwas über so lange Zeit gehen kann. Ich muss diesen Dank zurückgeben an Gerda Schaffelhofer die mich immer wieder ermutigt und motiviert hat. Ich muss diesen Dank zurückgeben an alle, die an diesen Mittwochsgebeten mitgewirkt haben.

Solange es Priester gibt wie einen Jurij Buch, werde ich meinen Optimismus und meinen Glauben nicht verlieren. Ein großer Dank an alle, die hier ein persönliches Statement abgegeben haben:

Hans-Peter Premur, Walter Gratzer, Bozo Hartmann, Franz Zlanabitnig, Horst Michael Rauter, David Hofer, Matthias Trinkl, Martin Wilhelmer, Marlene, Martin Windbichler, Eva Schwarz-Dellemeschnig, Heimo Schwarz, Maria Bauer, Jakob Mokoru und die Junge Kirche, Peter Korpitsch, Arnold Mettnitzer, Udo Fischer, Janko Kristof, Josef Markowitz, Johanna und Benno Karnel, Johannes Pichler, Helmuth Schüller, Hanzej Filipic, Maximilian Fritz, Anna-Maria Kapeller, Maximilian Buchwald

Danke an all die großartigen Musiker und Sänger, die die Gebete umrahmt haben. All das war möglich ohne ein großes Budget zu haben. Etwas über 300 Euro wurde von Ihnen einmal als Spende gegeben. Mehr war auch nicht nötig. Danke dem Dompfarrer Peter Allmaier. Er hat einiges aushalten müssen. Er hat uns gegenüber jenen, die uns hier im Dom nicht so gerne sehen wollten und von Entweihung der Bischofskirche gesprochen haben, immer verteidigt.

Sprache finden, für das was einen bewegt. Das war auch die Intention für den Aufruf zum Buch „Grüß Gott, Herr Bischof!“ Hier ist es nun dieses Buch. Die einzelnen Beiträge und auch die Ansprachen der Mittwochsgebete, die darin enthalten sind wären eine brauchbare Richtschnur für den 66. Bischof der Diözese Gurk. Es gibt nur zwei Exemplare davon. Eines möchte ich Dir Engelbert als Erinnerung an diesen heutigen Abend geben.

Lieber Josef Marketz! Mit diesem Buch heißen dich die Menschen als Bischof willkommen. Sie setzen aber auch große Erwartungen in dich. Ich glaube, dass wenn du der Josef Marketz bleibst, der du bisher warst, dann wirst du diese Erwartungen am ehesten erfüllen können.

Wie geht es weiter mit dem Forum MÜNDIGE CHRISTEN

Naja, das wird die Zukunft zeigen. Gestern habe ich viele E-mails wegen dem nun scheinbar letzten Gebet für die Diözese erhalten. In vielen davon wurde gewünscht, dass wir am Ball bleiben und weiter die Hoffnung auf Veränderung in der Kirche wach halten. Oft würde ich gerne einfach davon laufen – so wie Jeremia. Aber dann sind da die Menschen, die mir so viel erzählen und zutragen. Weil sie halt meinen Namen kennen und in der Kirche sonst niemanden wissen, wo sie ihre Erlebnisse und ihr Denken loswerden können.

Gestern habe ich mit einer Frau telefoniert. Sie erzählte mir, dass es in der Familie kürzlich zwei Todesfälle gab. Sie haben nun eine Messe für die Verstorbenen bezahlt, die der Ortspfarrer dann auch gehalten hat. Sie erzählte wie lieblos er das herunter geleiert hat. Als sie dann mit ihrem Sohn nach dem Grabbesuch ins Auto stieg bemerkte sie erst, dass das Ganze nicht einmal eine halbe Stunde gedauert hat. Dann ist ihr erst bewusst geworden, was da passiert ist. Welche Respektlosigkeit da zum Ausdruck gekommen ist. Dieser Priester hat zwei Pfarren mit insgesamt 629 Katholiken zu betreuen. An Arbeitsüberlastung wird es wohl nicht gelegen sein. Da fehlt’s woanders.

Ein Mann namens Valentin schrieb mir auch gestern: „Ich wünsche mir einen EHRLICHEN BISCHOF“. Meine Erfahrung war aber bisher, dass sich diese beiden Wörter - ehrlich und Bischof - eigentlich ausschließen.

Es ist in Sachen Glaubwürdigkeit um die Kirche nicht gut bestellt. Um dies zu wissen musste man gestern nicht ZIB 1 und ZIB 2 sehen. Wenn in den nächsten Wochen im Gespräch mit Josef Marketz erkennbar wird, dass es für eine Plattform wie dem Forum Mündige Christen Sinn macht in eine thematische Auseinandersetzung einzutreten, dann wird man sich dem nicht verschließen.

Ich plädiere dafür, dass man sich nun einmal ein wenig Zeit gibt. Anderenorts spricht man oft von einer 100 Tage Schonfrist. Warum sollte das nicht auch für einen neugeweihten Bischof gelten?

Es liegen in den Bänken Zettel auf. Tragen Sie sich darauf ein, wenn Sie über etwaige weitere Gebete oder Veranstaltungen informiert werden möchten. Ich bin mir heute eigentlich ziemlich sicher, dass Sie dann von uns hören werden.

So sage ich hier heute in Zuversicht:  Auf Wiedersehen!